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Die Saatkrähe: objektiv und subjektiv betrachtet

Es ist wieder soweit!

Seit Ende Februar versammeln sich die Saatkrähen wieder in einigen Orten und Städten, um dort ihre Nester zu bauen, zu brüten und die Jungen groß zu ziehen. Dies ist manchen in der Nähe wohnenden Menschen ein Dorn im Auge.

Ein gutes Beispiel für die Ablehnung der Art ist die Stadt Jever. Hier geht der Kampf David (= Saatkrähe) gegen Goliath (= Stadt Jever) in die nächste Runde. In den Jahren 2013-15 gingen die Runden jeweils an David. In 2016 und 2017 herrschte eine Art "Waffenstillstand". In 2018 soll "David" mit Laserlicht aus zwei Bereichen (Blankgraft, Graftenhaus) vergrämt werden (Stand 05.01.).

Doch zunächst einige Fakten.

Die Saatkrähe

  • ist eine Art aus der Familie der Rabenvögel, Unterordnung Singvögel; dazu gehören auch Rabenkrähe, Dohle, Elster, Eichelhäher, Kolkrabe u.a.
  • ist nach EU-Recht (Vogelschutz-Richtlinie, Richtlinie 2009/147/EG Anhang I)und dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt
  • wurde in der Vergangenheit vielfach verfolgt und hat daher in ihrem ursprünglichen Lebensraum zahlenmäßig stark abgenommen
  • zeigt nach der Unterschutzstellung eine deutliche Bestandszunahme
  • ist auch heute vielerorts noch unerwünscht

Unterscheidungsmerkmale

Zwischen Saat- und Rabenkrähe wird oft nicht unterschieden. Das ist aber wichtig.

Kennzeichen der Saatkrähe

  • unbefiederter Schnabelansatz hellgrau
  • stärkerer metallischer Glanz des schwarzen Gefieders
  • herab hängende Schenkelbefiederung, die beim Gehen hosenartig wirkt
  • gradlinigerer Flug mit schnelleren Flügelschlägen

Ernährung

Die Saatkrähe ist wie alle Krähen ein „Allesfresser“, doch anders als die Rabenkrähe normalerweise kein Prädator (Fressfeind) für andere Vogelarten.

Im Wechsel der Jahreszeiten beträgt

  • der tierische Anteil ca. 40 %: Regenwürmer, Nackt- / Gehäuseschnecken, Insekten, deren Larven, Spinnen, Asseln, Kleinsäuger, zufällig gefundene Eier / Jungvögel von Bodenbrütern u.a.

  • der pflanzliche Anteil ca. 60 %: Samen (z.B. Getreidesaat), Keimlinge, Eicheln, Sonnenblumenkerne, Kartoffeln, Beeren, Stein- und Sammelfrüchte, Hülsenfrüchte, Wurzeln

Das Brut- und Aufzuchtfutter ist zu 80-100% tierischer Art, besonders wichtig sind hier Regenwürmer.

Sozialverhalten

Saatkrähen sind monogam; haben sich zwei Partner gefunden, bleiben sie ein Leben lang zusammen. Nestbau und Aufzucht der Jungen werden gemeinsam erledigt.

Als Koloniebrüter leben viele Paare eng benachbart. Oft findet sich in einem großen Baum ein Dutzend Nester. Ein Rabenkrähen-Paar beansprucht hingegen ein eigenes größeres Revier und verteidigt dies energisch.

Die Brutbäume der Saatkrähe sind meist nicht identisch mit den Schlafbäumen außerhalb der Brutzeit.

Brutperiode (witterungsabhängige Zeitangaben)

  • Jahresbrut: 1

  • Nestbau ab Ende Februar / Anfang März

  • Eiablage / Brutbeginn Mitte/Ende März

  • Brutdauer 16 – 20 Tage (Männchen füttert Weibchen)

  • Nestlingszeit bis zu 36 Tage

  • Ästlingszeit ca. 35 Tage: Betreuung der in Nestnähe sitzenden Jungvögel durch die Altvögel

  • Mitte/Ende Juni: Ende der Brutperiode

Lebensraum im Wandel

Ursprünglich ist die Saatkrähe ein Bewohner der offenen Feldflur, wo Baumgruppen/Gehölze die Anlage von Brutkolonien ermöglichen. Durch illegale Abschüsse, Zerstörung der Kolonien, landwirtschaftliche Veränderungen (u.a. Grünlandverlust) ist die Art in die Siedlungsbereiche abgedrängt worden. Hier werden meist Bereiche mit den ältesten und damit hohen Bäumen besiedelt, z.B. Parks, Friedhöfe, Krankenhausgelände u.ä. Aber auch an stark befahrenen Straßen, sogar Autobahnen finden sich Kolonien. In neueren Siedlungsbereichen fehlen hohe Baumgruppen, so dass dort selten eine Kolonieanlage erfolgt.

Konfliktfelder Mensch – Saatkrähe

„Totenvögel“

Rabenvögel haben den Ruf, „Totenvögel“ zu sein. Dieses Denken rührt zum einen aus den Pestzeiten des Mittelalters und sollte damit Geschichte sein = mega-out. Zum anderen steht es in Zusammenhang mit Rabenkrähe und Elster, die im Gegensatz zur Saatkrähe öfter an Aas (z.B. einem toten Hasen auf der Straße) fressend zu beobachten sind. Die Rabenkrähe erfüllt damit einen Zweck, den Geier auf anderen Erdteilen erfüllen. Sie entfernt Aas, so dass Krankheitserreger sich nicht weiter verbreiten können.

 

          Lautstärke

Gesellige Vogelarten halten sowohl im Flug als auch an den Sammelplätzen durch Rufe Kontakt untereinander. Dies trifft sowohl für die Saatkrähe als auch die Dohle zu und ist ganzjährig zu hören. Zur Brutzeit schwillt der Geräuschpegel bei Kolonie-brütern naturbedingt an. Paare nutzen Rufe zur Stärkung und Aufrechterhaltung ihrer Bindung.

Nach dem Schlüpfen der nackten blinden Jungen tragen deren Bettelrufe noch zur Geräuschkulisse in den Kolonien bei.

Jede Störung, sei sie bewusst oder unbewusst, schreckt die ganze Kolonie auf. Eine Kakophonie an Rufen ist die Folge und es dauert etwas, bis die Koloniemitglieder sich beruhigt haben.

 

Verunreinigungen durch Vogelkot

Wer sein Kfz unter einem un- oder kaum belaubten Nistbaum eine längere Zeit  abstellt, muss mit Ver-schmutzungen rechnen. Das ist dann hinzunehmen. Abhilfe besteht nicht im Fällen des Baumes oder der Vertreibung der Vögel.

 

Es gibt Politiker und andere Personen, die behaupten, der Saatkrähen-Kot sei gesundheitsgefährdend. Diesen sei gesagt:

Die Gefahr der Infizierung mit Ornithose-Bakterien ist extrem gering. Der Umgang mit Tauben und Papageien birgt eine viel größere Infektionsgefahr. Zudem fressen Saatkrähen kaum Aas und scheiden damit so gut wie keine Prionen (infektiöse Proteine) aus. Auf Wochenmärkten sind auf Grund des Lebensmittelrechts die Waren so gut hygienisch geschützt, dass Verunreinigung durch Vogelkot keine Rolle spielt.

Nebenbei bemerkt: Silbermöwen fressen oft Aas. Ihr Kot ist ungleich gefährlicher als der der Saatkrähe.

Gebäude können zwar durch den Kot beschmutzt werden, doch ein echter Schaden wird nicht verursacht. Dieser entsteht durch Feinstaub und "saurer" Regen, verursacht durch Abgase u. a. aus Verbrennungsmotoren.

Leben mit der Saatkrähe

Saatkrähen sind ein Bestandteil der Natur, die es uns wert sein sollte, sie zu erhalten, denn wir bedürfen ihrer. Dies bezieht auch die städtische Natur mit ein.

Nach den §§ 39 und 44 Bundesnaturschutzgesetz sind Störungen der Tiere nicht erlaubt. In wenigen Ausnahmen kann jedoch, bei Vorliegen schwerwiegender Gründe und nach eingehender Prüfung des Sachverhalts, eine maßvolle Vergrämung erfolgen. Aus Erfahrungen weiß man aber, dass dies nur zu einer Verlagerung der Probleme, nicht zur Lösung führt.

Als schlauer Rabenvogel nutzt die Saatkrähe die für sie positiven Gegebenheiten von Siedlungsräumen optimal aus. Wir sollten das als Bereicherung betrachten und der Art mit mehr Gelassenheit begegnen. Homo sapiens, dem „weisen Menschen“, steht mehr Toleranz gegenüber dieser Krähenart gut an.

Leben mit der Saatkrähe
Der Flyer stellt die Saatkrähe vor, macht die Unterschiede zur Rabenkrähe deutlich und spricht einige Konfliktfelder zwischen Mensch und Saatkrähe an.
JEV Flyer Die Saatkrähe final.pdf
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Aktualisiert am:

15.11.2018

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