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Vogelforschung aktuell

Immer mehr Kraniche sparen sich den Flug in den Süden und überwintern in Deutschland.

"Derzeit halten sich ungewöhnlich viele Vögel hierzulande auf - die meisten wurden bisher aus Niedersachsen gemeldet, wo schätzungsweise 20.000 Vögel beobachtet wurden, sagte am Mittwoch (10.01.2018) der Geschäftsführer der gemeinnützigen Kranichschutz gGmbH, die vom Naturschutzbund Nabu getragen wird. Anders als in früheren Jahren überwintern auch skandinavische Kraniche in Deutschland, anstatt nach Frankreich oder Spanien weiterzufliegen. Ursache für das Verhalten der Vögel ist der milde, schneefreie Winter." Quelle: Presse 10./11.01.2018

Die Diepholzer Moorniederung hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einem bedeuten-den Rastgebiet für Kraniche, die Vögel des Glücks, entwickelt. Dies hängt mit den von landwirtschaftlichen Flächen (v.a. Maisanbau) umgebenen renaturierten Mooren zusammen. In den Wasserflächen der Moore finden die Vögel sichere Schlafplätze vor ihren Fressfeinden, in der Umgebung ausreichend Nahrung. In milden Wintern erfolgen erste Überwinterungsversuche. Sofern nicht noch ein länger anhaltender Wintereinbruch erfolgt, bleiben die Kraniche vor Ort. Dies hat zwei Gründe:

1. Einsparung von Energie durch geringere Abstände zu den Brutgebieten,

2. Besetzung der besten Nistplätze durch die Erstankömmlinge.

Ein verbesserter Bruterfolg geht mit den beiden Punkten einher.

Immer weniger Schleiereulen in Niedersachsen

Die Schleiereule hat es seit einigen Jahren besonders schwer, auch in Niedersachsen. Schuld seien vor allem die intensive Landwirtschaft und der Anbau von Mais für Biogasanlagen, heißt es beim Naturschutzbund NABU. "Den Vögeln fehlt der Lebensraum, vor allem durch den großflächigen Maisanbau", sagte Nabu-Experte Ludwig Uphues von der Bundesarbeitsgemeinschaft Eulenschutz.

Andere Faktoren hätten den Bestand schon früher dezimiert. So brüteten die Vögel gerne in Scheunen, doch seien dort Öffnungen vielerorts verschlossen worden. Viele Schleiereulen würden zudem ein Opfer des Straßenverkehrs.

"Die Schleiereulen kommen auf den großflächigen Mais- und Rapsfeldern nicht mehr an die Mäuse", sagte Dr. Joachim Wiesner, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen. "Deshalb ist die Schleiereule auf dem absteigenden Ast."

Quelle: Nordwest Zeitung 2017-12-09, Redakteur Peer Körner

Besenderte Weißstörche

Durch den NABU wurden Störche mit Sendern versehen.

Die Zugrouten dieser Individuen können auf einer interaktiven Karte verfolgt werden. Durch Entfernen/Setzen von Häkchen lassen sich die Flugrouten der einzelnen Exemplare nachvollziehen.

https://blogs.nabu.de/stoerche-auf-reisen/karte-gross/

TV – Dokumentation auf ARTE am 21.10.2017

Singvögel in Not

(Exzerpt)

 

Es existieren mehr als 5.000 Singvogelarten auf der Erde, deren Bestände Statistiken zufolge weltweit in den letzten 40 Jahren um ca. 50% geschrumpft sind.

Ornithologen des Max-Planck-Instituts schätzen, dass jährlich 10 Milliarden (!) Zugvögel auf ihrer Reise getötet werden.

Die Gründe dafür sind vielfältig:

1. Lebensraumverlust: durch Abholzung, Anbau von Nutzpflanzen in Monokulturen usw. (erforscht in Costa Rica, Kanada)

2. Urbanisierung: Spiegelnde Fensterscheiben an Glasfassaden bilden tödliche Gefahren. (erforscht in Kanada, USA)

3. Lichtsmog: Nachts hell erleuchtete Städte beeinträchtigen den präzisen Orientierungssinn und den Biorhythmus der Zugvögel. (erforscht in USA)

4. Lärmverschmutzung: Sie beeinträchtigt die Kommunikation und damit das Fortpflanzungs-verhalten der Vögel erheblich, einerseits bei der Findung einer Partnerin, zum anderen werden die Bettelrufe der Jungen nicht mehr gehört. (erforscht in Niederlande, Kanada)

5. Hauskatzen, in besonderem Maße sog. Freigänger und verwilderte Hauskatzen, deren Bestand sich verdreifacht hat (USA); Wissenschaftler schätzen, dass jährlich 1,4 Milliarden Singvögel dieser einen (unnatürlichen) Prädatorenart in Nordamerika und Europa zum Opfer fallen. Dabei wurde anhand vorliegender Daten die niedrigste Zahl frei laufender Katzen zur kleinsten Zahl getöteter Singvögel ins Verhältnis gesetzt. (erforscht in USA)

6. intensive Landwirtschaft: Der Einsatz von Pestiziden und der Anbau von Nutzpflanzen in Monokulturen führen zu einer mangelnden Pflanzenvielfalt und einem damit einhergehenden Insektenschwund. (erforscht in Kanada)

7. Pestizideinsatz: Neonicotinoide werden zur Behandlung der Samen eingesetzt, so dass die Pflanzen von Beginn des Wachstums an geschützt sind; Einsatz von Insektiziden führt zu fehlender Nahrung für Insektenfresser. (erforscht in Kanada)

8. Vogelfang/ -jagd: Jagd auf Singvögel in EU-Staaten, z. B. Frankreich, Italien, Malta u.a., wird von Behörden trotz Verbotes nicht verfolgt; massenhafter Vogelfang (für Verzehr) an der ägyptischen Mittelmeerküste

9. Klimaerwärmung führt zur Verschiebung der Lebensräume nach Norden oder in höhere Lagen, zum Verschwinden der Gletscher und den von ihren Schmelzwässern abhängigen Biotopen. (erforscht in der Türkei)

Wie Zugvögel das Längengrad-Problem lösen

Eines der größten Rätsel der Zugvogelforschung ist laut Universität Oldenburg geknackt. Ein Forscherteam aus Oldenburg, Rybachy und St. Petersburg (beide Russland) sowie Bangor (Wales, GB) hat herausgefunden, wie Zugvögel den Längengrad ermitteln können, auf dem sie sich befinden.

Prof. Dr. Henrik Mouritsen von der Uni Oldenburg und ein internationales Wissenschaftlerteam haben durch Untersuchungen an Teichrohrsängern festgestellt: Die Zugvögel ermitteln ihre Ost-West-Position, indem sie den Winkel wahrnehmen, mit dem der magnetische Nordpol vom geografischen Nordpol abweicht. Die Forscher präsentieren ihre Ergebnisse in der aktuellen Online-First-Ausgabe des renommierten Fachmagazins Current Biology.

In einer früheren Untersuchung wurde herausgefunden, dass erfahrene Teichrohrsänger, wenn sie tatsächlich von Ost nach West versetzt werden, dies kompensieren können und dass dabei das Erdmagnetfeld eine entscheidende Rolle spielen muss. Die Forscher stellten daher die Hypothese auf: Vielleicht können Vögel den Winkel zwischen dem magnetischen Nordpol und dem geografischen Nordpol mit ihren Sternen- und Magnetkompassen bestimmen.

Diese Hypothese testeten sie mit einem Experiment: Sie esetzten 15 erwachsene Teichrohrsänger vorübergehend während des Herbstzuges im russischen Rybachi in Käfige und testeten sie in sogenannten Orientierungstrichtern. Diese waren mit Spulensystemen ausgestattet, die ein gleichmäßiges Magnetfeld simulieren können. Für den Versuch drehten die Wissenschaftler das Magnetfeld im Vergleich zum natürlichen Magnetfeld vor Ort um 8,5 Grad. Der Abweichungswinkel entsprach nun dem des Magnetfelds im 1200 km entfernten Südschottland. Alle anderen potenziellen Hinweise für die Vögel, wie Stärke und Neigung des Magnetfelds sowie Gerüche und visuelle Eindrücke, blieben gleich. Dabei zeigte sich „ein erstaunlicher Effekt“, berichtet Mouritsen: „Die Vögel änderten ihre Orientierung von West-Süd-West nach Ost-Süd-Ost und kompensierten so das virtuelle Versetzen.“

 

https://www.uni-oldenburg.de/ibu/neurosensorik/

http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(17)30882-5

 

Quelle: Nordwest Zeitung 20.09.2017

Nicht nur an den deutschen Küsten werden Vögel erfasst, auch im bundesweiten Binnenland. Diese Daten, die z. B. in Niedersachsen bei der Staatlichen Vogelschutz-warte im NLWKN gesammelt werden, werden wissenschaftlich ausgewertet. Sie geben u. a. einen Überblick über die Entwicklung der einzelnen Arten und ihrer jeweiligen Bestände. Wer interessehalber einmal hineinschauen möchte, hat hier die Gelegenheit zum Download der Datei. 

Vögel in Deutschland - Erfassung rastender Wasservögel
Quelle: www.dda-web.de/
statusreport_erf_rast_wasservoegel_ebook[...]
PDF-Dokument [8.6 MB]

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Aktualisiert am:

24.05.2018

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